1.6 MacDonalds kommt näher

Man darf es nicht laut sagen, aber die Deutschen lieben es, bei MacDonalds zu essen. Kein Wunder, dass so viele Filialen in Deutschlands Städten gibt. Trotzdem gilt es in vielen Kreisen als unfein, bei MacDonalds gesehen zu werden. Und deswegen geben nur sehr wenige dies auch zu, obwohl täglich um die 3 Millionen von den Buletten landesweit verkauft werden. Die Frage ist, wer isst die Dinger? Eine Teil-Antwort auf diese brennende Frage bekamen bald die Bürger von Heldenbergen-Nidderau zu sehen und hören.

Wie das Sprichwort sagt, werfen große Ereignisse ihren Schatten voraus. Genau dies passierte im immer noch ländlichen Heldenbergen-Nidderau, eine schnell wachsende Gemeinde am Rande der Wetterau. Für die Nichthessen unter uns gilt zu erklären, dass die Wetterau das Gebiet mit den dicksten Kartoffeln und den ergiebigsten Zuckerrüben in der ganzen Republik ist. Wochenlang konnte man beobachten wie Rentner, Junggesellen, Mütter mit Kindern, Schüler und ganz normale Leute zu einer Baugrube in der Nähe des örtlichen Schwimmbads pilgerten. Dort angekommen streckten oft die Zuschauer ihre Hände heraus und deuteten auf einen Punkt in der Mitte eines unscheinbaren Grundstücks. Nach der Frage, was dort geschehe, hieß es lapidar, „MacDonalds kommt“.

Wenn es jemals gestimmt hat, dass Vorfreude die größte Freude ist, war hier offensichtlich die Bestätigung erbracht. Die Nachricht des baldigen Einzugs von MacDonalds lief wie ein Strohfeuer durch den Ort. Groß war die Begeisterung von klein und alt. Babys, die kaum sprechen konnten, babbelten MacDonalds den ganzen Tag, Kleinkinder weinten bereits, weil sie so gern bei Macdonalds essen wollten, verzweifelte Mütter fragten die armen Bauarbeiter immer wieder nach dem Eröffnungstag. Im hiesigen Radio FFH wurde die Stimmung zusätzlich angeheizt mit Angeboten für freie Getränke und tolle Geschenke für die ersten 100 Leute am Eröffnungstag. Es baute sich langsam so ein Druck auf im Ort, dass das Warten auf MacDonalds fast unerträglich wurde. Die Bauarbeiter wiederholten ständig, der Eröffnungstag stünde noch nicht fest, aber dass er bestimmt bald war. So vergingen die Tage und Wochen. Dann war es endlich soweit. Am frühen Morgen des Eröffnungstages gegen acht wurden bereits Schüler gesehen, die anstatt zur Schule zu gehen, sich vor die Tore des neuen Gebäudes gestellt hatten. Bis zehn Uhr war die Schlange schon zwei hundert Meter lang. Ein älterer Herr, der auch in der Schlange war, wurde gefragt, was er nun dort suche und er sagte, er wisse nicht so genau. Gehört hätte er, dass der Herr MacDonald etwas tolles zu vergeben hätte und Essen dazu. Was auch für ein Essen es sein möge, wollte er es auf jeden Fall nicht versäumen. Dann wurden die Tore geöffnet. Der Raum war in kürzester Zeit voll, das Geschäft eröffnet. Bis 13 Uhr wurde so brutal gegessen, dass nichts mehr im Restaurant übrig blieb. Die Geschäftsleitung hatte die Lage vollkommen unterschätzt. Sie musste viele enttäuschte Fans nach Hause schicken und die Tore bis zum darauffolgenden Tag schließen. Mein Nachbar Herr Arnold hatte auch seinen Kinder einen Ausflug an dem Tag versprochen und einen Tag Urlaub genommen. Zurück, erzählte er, er mache sich sonst nichts aus den weichen Brötchen mit Frikadellen, aber man könne es doch essen. Seit dem macht er gelegentlich Sonntagsausflüge zu MacDonalds im Nachbarort. Manchmal, sagt er, geht er auch ohne die Kinder hin, wenn er sich in der Nähe des Restaurants befindet. Es geht schnell und schmecken tut es auch. Na, also.

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