- Der Autor
- 1. Präludium
- 2. Adagio
- 3. Andante
- 3.1 Höhere Macht, bitte kommen
- 3.2 Ampongs Geld
- 3.3 Deutschlands gewiefte Richter
- 3.4 Geld verdirbt den Charakter!
- 3.5 Die Wege des Herrn
- 3.6 Geld stinkt nicht. Frauen auch nicht!
- 3.7 Paris (Oh, Champs Elysées)
- 3.8 Eis Kamerun!
- 3.9 Joseph und Maria auf afrikanisch
- 3.10 Ein Arschloch in der Kirche
- 3.11 Deutschlands Frauen
- 3.12 Sieh’ auf deine Vergangenheit und du erkennst deine Zukunft.
- 3.13 Wir grillen
- 3.14 Unser Spatz vom Dach
- 4. Con fuoco
- 5. Crescendo
- 6. Overtüre
Halbwahrheiten
3.1 Höhere Macht, bitte kommen
Du sollst nicht stehlen, so lapidar lautet das siebte Gebot, ohne wenn und aber. Über die Jahrtausende hat man allerdings herausgefunden, dass dies leichter gesagt als getan ist. Nun sind die meisten Deutschen gesetzestreu und äußerst disziplinierte Menschen, die sich an dieses Gebot halten, fällt es einigen wenigen doch manchmal schwer, bei diesem uralten Gebot zu bleiben. Besonders, haben Untersuchungen heraus gefunden, in Hotels nicht. Hier, scheint es, werden gewisse Einschränkung generell akzeptiert. In einer jüngsten Ausgabe der kirchlichen Zeitung Christmon war ein interessanter Bericht über dieses kleine Problem veröffentlicht. Danach vergeht keinen Tag oder Nacht, ohne dass allerlei Sachen in den besten Hotels Deutschlands verschwinden: ob Adlon, Atlantic, Sheraton oder Hilton. Recherchen besagen, rund 57 Millionen Mark Wertigkeiten werden jedes Jahr aus den Hotels gemopst, und zwar je edler das Hotel, desto mehr Klau. Eigenartigerweise sind die entwendeten Gegenstände keine Kostbarkeiten: Kleiderbügel, Bademäntel, diverse Tücher, Aschenbecher.
Als Abhilfe wurden bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um diesen Volkssport Einhalt zu gebieten aber bisher umsonst. Unter anderen wurden elektronische Sicherungen oder fluoreszierende Punkte hinter Gemälden, die signalisieren, dass etwas fehlt, ausprobiert. Ein Sprecher des Hotelverbands Deutschland sagt resignierend „Wir sind machtlos“, und fragt, welche Macht da noch helfen könnte?
Überraschenderweise für ein Land in dem nur noch 30% wirklich an Gott glaubt, will der Verband sich an Gott wenden. Man weiß von einem ähnlichen Zustand in England zu berichten, wo sich Gottes Hilfe doch den Hoteliers etwas Atempause verschafft hat. Der Referent J. John aus Liverpool soll regelmäßig durch England reisen und vehement über das siebente Gebot predigen. Er und scheint damit viel Erfolg zu haben. Von der Kanzlei soll dieser mit mächtiger Stimme so effektvoll predigen, dass so mancher Zuhörer die Reue überkommt. Nach seinen Gottesdiensten stapeln sich Biergläser, Kugelschreiber, Handtücher und vieles andere mehr vor der Kirche, alles Diebesgut aus vornehmen Hotels. Aus England wird deshalb der Anglikanerpriester nach Deutschland eingeladen.
„Der Mann ist gut“, freut sich ein besonders gläubiger Hotelfunktionär. Mit ihm und Gott wollen die Hoteliers verlorenes Terrain wieder gutmachen. Sobald er seinen Pflichten in England beendet hat, kommt er nach Deutschland.
Eins haben aber die phantasievollen Verbandsleute allerdings nicht bedacht. Die Frage ist, wie soll der Herrgott die Diebe erreichen, wenn sonntags nur die Altweiber, Kinder und Opas in den Kirchen anzutreffen sind? Bereits wurde eine Werbefirma damit betraut, eine effektvolle Kampagne zu n inszenieren, um die Gläubigen in die Kirchen zu locken. Damit könnte man mit einer Klappe zwei Fliegen erledigen, hofft auch der Konsistorialdirektor der Evangelischen Kirche von Hessen-Nassau.