- Der Autor
- 1. Präludium
- 2. Adagio
- 3. Andante
- 3.1 Höhere Macht, bitte kommen
- 3.2 Ampongs Geld
- 3.3 Deutschlands gewiefte Richter
- 3.4 Geld verdirbt den Charakter!
- 3.5 Die Wege des Herrn
- 3.6 Geld stinkt nicht. Frauen auch nicht!
- 3.7 Paris (Oh, Champs Elysées)
- 3.8 Eis Kamerun!
- 3.9 Joseph und Maria auf afrikanisch
- 3.10 Ein Arschloch in der Kirche
- 3.11 Deutschlands Frauen
- 3.12 Sieh’ auf deine Vergangenheit und du erkennst deine Zukunft.
- 3.13 Wir grillen
- 3.14 Unser Spatz vom Dach
- 4. Con fuoco
- 5. Crescendo
- 6. Overtüre
Halbwahrheiten
3.9 Joseph und Maria auf afrikanisch
Es war kurz vor Weihnachten und es weihnachtete sehr. Die Straßen waren super dekoriert, überall war Licht, Orgelmusik plärrte am Straßenrand, Mandeln wurden geröstet, Weihnachtsbäume verkauft und im Radio wurden es ununterbrochen Weihnachtslieder gespielt Weihnachten, Zeit der Fröhlichkeit, Zeit der Besinnung, sagte man. Nur die jungen Journalisten vom Hessischen Rundfunk in Frankfurt wollten alles nicht so richtig wahr haben. Sie besonnen sich auf ein Experiment. In der Bibel gibt es diese Stelle, wo Maria hochschwanger mit Jesus und ihr Mann Joseph verzweifelt ein Zimmer in Bethlehem suchen und nicht finden. Wie jedes Kind weiß, wird Jesus ja deshalb in einem Stall geboren. Jetzt wollten die Journalisten wissen, ob die Heilige Familie es heute noch besser haben würde. So war eine Idee geboren. Sie wollten genau wissen, wie die christliche Nächstenliebe im Rhein-Main-Gebiet wirklich funktionierte.
Um es auf die Spitze zu treiben, nahmen sie diesmal ein gut etabliertes afrikanisches Ehepaar als Köder mit, die Frau tatsächlich schwanger, begleitet von ihrem Mann und heimlich von einem Journalisten mit einer versteckten Kamera begleitet. Alles sollte auf Zelluloid genau festgehalten werden. Dann gingen sie auf Fotojagd. Das Ziel waren die vielen Häusern der katholischen und evangelischen Pastoren und Priester im Rhein-Main Gebiet. In ihren großen Häusern ist nämlich viel Platz. Wenn sie wollen, können sie schon mal den einen oder anderen Besucher in Not unterbringen. Die große Frage war, ob diese Pfaffen es nun nur beim Predigen beließen oder wirklich auch das lebten, was sie predigten. Was würden sie in einer konkreten Situation machen? Spannend.
Zunächst klingelten sie bei dem evangelischen Pastor der Christusgemeinde in Langendiebach, bei Hanau. Der Mann war nicht zu Hause, nur seine Haushälterin. Sie guckte schon misstrauisch, hörte sich jedoch die Geschichte zu Ende an. Dann bedauerte sie sehr die Situation, während sie aber hart blieb. Ohne den Herrn Pastor war sowieso nichts zu machen. Wegen der Befugnisse, die sie natürlich nicht hatte. Es täte ihr Leid, sagte sie und machte schnell die Tür zu.
Die nächste Station war ein Dorf weiter bei Bruchköbel, wo der katholische Gemeindepfarrer des Sankt Niklas-Kirche ein großes Haus bewohnte. Er war zu Hause und öffnete persönlich die Tür. Schnell war die Geschichte erzählt von der armen Afrikanerin mit Ehemann, die keine Bleibe in der Stadt gefunden hatten, aber dringend eine Schlafstätte bräuchten.
„Gehen Sie ins Hotel, konterte er kühl. „Wir sind hier keine Sozialhilfestation.“
Der Prophet ist bekanntlich in seinem eignen Land unbekannt.