3.11 Deutschlands Frauen

Deutschland ist schön. Seine Menschen sind korrekt, seine Frauen klasse, seine Autos prima, seine Landschaften sagenhaft. Was Geld angeht, wird jeder Job mehr oder weniger anständig bezahlt. Egal welcher Job. Totengräber, Geschirrwäscher, Klofrauen, Straßenarbeiter, alle verdienen gut und können von ihrem Geld sogar Autos kaufen. Und noch etwas. Es funktioniert alles. Besonders faszinierend für Afrikaner ist, wie pünktlich die Züge fahren! Wenn auf dem Fahrplan steht, dass ein Zug um 9.53 Uhr kommt, dann kannst du Gift darauf nehmen, das er nicht eine Minute vorher da sein wird. Aber auch nicht eine Minute nachher!

Nur mein Freund aus Ghana findet eines schade hier. Seiner Meinung nach, und dies trotz Bekundungen zum Gegenteil von vielen deutschen Politikern, sind die Deutschen verdammte Rassisten. Es ist bloß so, dass wer einen etwas dunklen Teint, schwarzes Haar oder gar schwarze Haut hat, sich auf Entbehrungen gefasst machen muss. Ja, Ausländer haben es schwer in Deutschland, sagt er.

Aber was meinen Freund am meisten fuchst, Ausländer ist nicht gleich Ausländer. Nur wer nicht astrein weiß ist, muss bereit sein, ein hundsmiserables leben zu führen. Es sind die, die schwer eine Wohnung finden, die keinen Zutritt zu Diskotheken finden. Denen traut man die niedrigsten Tätigkeiten zu, sie ticken in Volkes Meinung nicht so recht wie die Einheimischen.

Polizisten sind scheinbar auch dieser Meinung, sagt mein Freund. Oft, wenn viele Afrikaner zusammen treffen, fängt mein Freund Anthony aus Ghana an, schon wieder über die Deutschen her zu ziehen. Einmal konnte ich es nicht mehr hören und fragte, warum die Ausländer denn dann hier bleiben, wohl wissend, dass ihr Ansehen und Stellung in der Gesellschaft nicht sehr hoch ist. Offensichtlich machen sie sich nicht viel aus den Erniedrigungen. Im Gegenteil, sie bleiben gern und viele laden sogar ihre Geschwister ein. Warum nur, fragte ich provozierend?

„Ja,“ sagte er, „ich werde dir heute ein Geheimnis verraten. Ich bin hier, weil dieses Land verdammt ergiebig ist. Für mich sind es nicht die Autobahnen, warum ich hier bin. Für mich sind es die billigen Hühner. Wo kannst du soviel Huhn für so wenig Geld kaufen, fragte er sybillinisch. Gehe nur zum Frankfurter Hauptbahnhof, da wo Du aus der B-Ebene mit der Rolltreppe hoch kommst. Unmittelbar rechts, gegenüber von der Eloquia Sprachschule werden ganze Hühner für DM 4.50 gegrillt. Ich kann hier mehr Huhn essen als daheim in Afrika. Warum sollte ich dann gehen, fragte er süffisant. Die Lacher waren auf seiner Seite. Weil das Bier strömte, wollte darauf hin noch ein Freund aus Mauretanien einen Grund für sein weiteres Bleiben enthüllen.

„Mich hat meine Liebe für Pferdefleisch hierher gebracht“. Daheim ist Fleisch teuer und nur für die gut betuchten in großen Mengen vorhanden. Dann kam ein Bekannter auf Heimaturlaub aus Deutschland zurück und erzählte davon, dass die Deutschen nicht gern Pferdefleisch essen. Darum wäre diese Sorte Fleisch billig und immer da. So ein Land musste einfach Paradies sein. Nichts also wie hin. Mein Freund aus Mauretanien verkaufte darauf hin alles was er besaß, kaufte ein Flugticket nach Paris, ging über die grüne Grenze nach Deutschland und etablierte sich fest in Frankfurt am Main. In der dortigen Kleinmarkthalle nämlich, am Haupteingang rechts steht seit Jahren eine Pferdemetzgerei, die viele sehen, aber nur wenige richtig kennen.
„Dort kaufe ich jedes Wochenende ein. Es gibt nichts schöneres als Pferdegulasch.“

Seitdem will er nicht mehr fort. „Die Rechtsradikalen, sagt er, „ können mich meinetwegen schlagen wie sie wollen, aber ich bleibe hier für immer“.

Jetzt waren wir soweit, das jeder sich beeilte, seinen persönlichen Grund für den weiteren Aufenthalt hier anzugeben. Inusa aus Nigeria fuhr fort.

„Für mich sind es die Frauen, die ganz dicken. Hier sind es so viele, meistens unverheiratet, aber schön. Was ich nicht verstehe ist, dass die deutschen Männer nur magere Frauen mit flachem Hintern mögen. Die Männer hier scheinen echt blöd zu sein. Ich sage euch, da wo ich her komme, sind dicke Frauen Mangelware. Die dünnen sind mager, weil krank. Niemand kauft eine dünne Kuh, wenn er für das gleiche Geld eine fette haben kann. Hier ist es nicht anders. Bei den dicken Frauen wie bei den dicken Kühen kriegst du genauso mehr Busen, mehr Hintern und mehr „Lalanschila“ für dein Geld. Und du hast deine Ruhe vor den anderen Männern. Warum sollte ich nicht davon profitieren? Ich sage euch, ich habe bereits drei davon in verschiedenen Städten. Wenn ich erscheine, bin ich der King. Besonders heute, wo die schwarzen GIs nicht mehr mit konkurrieren, ist die Lage besonders günstig. Die schwarzen GIs aus Amerika haben den gleichen Geschmack wie wir in Nigeria. Aber mit ihren billigen Zigaretten, Whiskys und PX-Gütern konnten wir aus Afrika nicht mitziehen. Sie hatten früher alle die guten dicken abgegrast. Mit dem Ende der DDR sind sie weg. Jetzt sind wir dran, Gott sei dank.“

Inusa war jetzt in seinem Element und fuhr fort.

„Ich bleibe, egal was passiert. Habt ihr noch gar nicht gemerkt, dass die meisten Afrikaner heutzutage dicke Frauen heiraten? Es ist die einfachste Art, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen! Wenn die dicken Frauen in Deutschland unbefriedigt bleiben, werden sie Demonstrationen veranstalten und ganze Städte zum Erliegen bringen. Und wenn die Afrikaner nur mit Ihnen schlafen, sind ihre Eltern sauer. Um Probleme dieser Art zu verhindern, ist es nichts leichter als eine dicke deutsche Frau zu ehelichen. Die Beamten in den Rathäusern freuen sich. So müssen sie nicht mehr Sozialhilfe zahlen. Glaubt mir. Sobald man eine diese dicken heiratet, bekommt man sofort eine Aufenthaltserlaubnis. Habt ihr euch nie gefragt, warum so schnell? Ich wette mit Euch. Lass zwei Afrikaner zwei unterschiedliche Frauen heiraten. Dann werdet ihr sehen, wer gewinnt. Ich sage, der mit der fetten Frau wird schneller sein Visum bekommen.“

Diese Nachricht schlug wie eine Bombe in unserem Kreis ein. So etwas hatte keiner von uns bisher gehört. Die Wette wurde sofort angenommen. Dafür war die Sache zu interessant. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas überhaupt möglich war, meine Freunde auch nicht. Das Problem war die deutsche Bürokratie. Eine Ehe ist nicht gleich geschlossen. Natürlich mussten ein paar Jahre verstreichen. Ich hatte die ganze Geschichte vergessen, bis Inusa eines Tages ganz aufgeregt bei mir klingelte.

„Was habe ich dir gesagt?“

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