- Der Autor
- 1. Präludium
- 2. Adagio
- 3. Andante
- 3.1 Höhere Macht, bitte kommen
- 3.2 Ampongs Geld
- 3.3 Deutschlands gewiefte Richter
- 3.4 Geld verdirbt den Charakter!
- 3.5 Die Wege des Herrn
- 3.6 Geld stinkt nicht. Frauen auch nicht!
- 3.7 Paris (Oh, Champs Elysées)
- 3.8 Eis Kamerun!
- 3.9 Joseph und Maria auf afrikanisch
- 3.10 Ein Arschloch in der Kirche
- 3.11 Deutschlands Frauen
- 3.12 Sieh’ auf deine Vergangenheit und du erkennst deine Zukunft.
- 3.13 Wir grillen
- 3.14 Unser Spatz vom Dach
- 4. Con fuoco
- 5. Crescendo
- 6. Overtüre
Halbwahrheiten
3.13 Wir grillen
Wir sind eine ganz normaler Familie in Deutschland: ein kleine Frau, zwei Kinder, ein Auto, keinen Hund.
Neulich, es war Samstag. Ich musste dringend ins Büro. Einen Tag zuvor hatte ich eine dringende Übersetzung zu machen. Es handelte sich um einen großen Auftrag für eine Molkereifirma im Allgäu. Ob ich doch nicht zweiundzwanzig Seiten auf die Schnelle übersetzen könnte? Für Dienstag. Ich könnte. Ich brauchte dringend Geld.
Also ging ich am Samstag ins Büro. Es war ruhig, ich konnte zügig arbeiten. Wir herrlich, die absolute Ruhe, dachte ich.
Dann kam ein Anruf. Sollte ich das Gespräch annehmen oder nicht. Ich nahm an. Meine Frau war am Apparat.
„Du...“, sagte sie. Wir grillen heute Abend. Inge und Klaus kommen. Du bist Grillmeister.“
„Prima, sagte ich. Bin gegen 17 Uhr zu Hause. Dann kann es losgehen. Momentan rutscht es wunderbar hier mit der Übersetzung.“
„Er.., ich glaube 17 Uhr wäre zu spät. Wir haben nämlich keinen Apfelwein, stell ich fest. Und der Klaus, Du weist, trinkt nichts anderes.“
Gut. Ich bringe Apfelwein von der Kelterei mit. Schmeckt am Besten.“
„Super“, sagte meine Frau und legt ab. Ich ging wieder an die Arbeit und war Mitten drin. Das Telefon schellte wieder. Diesmal wusste ich instinktiv, es ist meine Frau am Apparat.
„War gerade einkaufen im Penny. Scheiß Laden. Ob Du es glaubst oder nicht, die haben keine Kohlenanzünder. Kannst Du welche mitbringen?“
„Ja, mache ich.“
„Aber denk daran. Die machen schon um 14 Uhr zu.“
„Ja, geht schon“
„Super. Bis dann.“
„Tschüß“
Ich schüttelte den Kopf. Ich grille gern, bei Gott. Aber warum mußte sie ausgerechnet heute unbedingt grillen? Wo sie genau wusste, dass ich eine schwierige Aufgabe habe. Frauen!
Ich ging zurück zu den technischen Anleitungen für die Molkerei im Allgäu. Nach einer guten Stunde, es war bereits gegen 12 Uhr, rief meine Frau wieder an.
„Du! Ich hatte total vergessen. Tina, (unsere Tochter) braucht den Wagen unbedingt um 14 Uhr. Sie hat’s gestern gesagt aber ich hab’s vergessen gehabt. Tut mir leid, aber sie hat sich verabredet. Wie Du weist, fahren keine Züge an Wochenenden. Könntest Du vorher kommen? Deine Übersetzungen kannst Du doch sicher daheim fortsetzen. Was ein Glück, dass wir noch einen zweiten Computer daheim haben.“
Ich wurde langsam ärgerlich. Meine Frau wusste genau, warum ich ins Büro erst gefahren war. Erstens, um Ruhe zu haben. Zweitens, um meine Online-Übersetzungshilfen bedienen zu können. Dann dies. Als ob, sie nicht wusste! Ich atmete tief und versuchte nicht zu explodieren.
„Ich würde sagen, Du machst jetzt Schluß und fährst los. Nicht vergessen, Apfelwein, Kohlenanzünder und das Auto bis 14 Uhr.
„Ja, Tschüß.“
Ich fuhr los in den nächsten HL-Supermarkt von Bad Vilbel.
Die Sache war schwieriger als ich dachte. Ich suchte überall im Geschäft, fand aber keinen Kohleanzünder. Ich hielt Ausschau nach einem Bediensteten, Fehlanzeige. Ich ging zur Backwarenabteilung.
Wissen Sie vielleicht wo ich hier einen Grillanzünder finden kann?
„Hier sind Backwaren, wir grillen hier nicht, sagte die nette Dame. Ich zog von dannen.
Ich fragte einen Kunden. Er war sehr nett und half mir. Er hätte auch neulich herumgeirrt dafür.
Endlich gefunden, musste ich Schlange stehen.
Prompt rief meine Frau noch mal an.
„Wo bist du?“
Bin in der Schlange und bald dran mit der Bezahlung, dann fahre ich so schnell ich kann nach Hause. Es ist 1 Uhr 20. Ich brauche zehn Minuten nach Hause.
„Gut dass ich dich noch erwische. Ich komme gerade von Penny noch mal. Die haben auch kein Geliermittel. Ohne, kann ich den Kuchen nicht backen.
Ich musste jetzt die lange Schlange verlassen, holte Geliermittel und stellte mich wieder an. Ich verließ HL um zehn vor zwei. Ich fuhr wie ein Berserker auf der B46 nach Hause. Kurz vor Büdesheim rief meine Frau noch mal an.
„Wo bist Du denn? Es ist bald 14 Uhr. Die Tina wird bald verrückt. Sie braucht den Wagen, sagte ich doch. Jetzt zeigst du, dass du ein richtiger Afrikaner bist. So lahm immer!“
Spätestens als sie dies sagte, verlor ich glatt meine Kontenance.
„Weist Du was? Ich grille heute nicht. Mach deinen Kram alleine. Beleidigen lasse ich mich nicht, okay?“
„Warum so empfindlich? Stimmt dies etwa nicht? In der ganzen Gegend und bei unseren Freunden bist Du als sehr lahm bekannt. Es ist doch nicht seit heute. Ja, nur, ich darf das nicht sagen. Wenn du etwas gegen mich hast, sag’s gleich. Und wisst du was? Du kannst allein mit Klaus und Inge grillen. Ich habe deine ewige Beleidigungen satt. Ich fahre gleich mit Tina mit nach Frankfurt. Vielleicht kannst du dann sehen, was du an mir hast. “
Sie hing ab.
Am Reiterhof stoppte ich den Wagen. Ich konnte es nicht mehr fassen. Ich brach in Tränen aus. Das war das letzte mal dass ich so richtig weinte.