Halbwahrheiten
4.7 Festschmaus mit Elefanten
Der Afrika Korrespondent der Frankfurter Rundschau schickt ungefähr alle drei Monate einen Artikel über afrikanische Themen an seine zahlreichen Leser in good old Germany. Von seinem Horchposten in Nairobi (er ist der einzige Berichterstatter für ganz Afrika), schickte er am 28.06.2000 einen dieser besagten Artikel mit dem obigen Titel. Es ging um eine Elefantenplage in Kenia. Im Untertitel war noch eine Zeile „In Afrika hat das Tier neben dem Menschen wenig Platz“. Ich erzähle die Geschichte hier noch mal.
In Kenia hatte eine anhaltende Dürre hungrige Elefanten dazu gebracht, Farmen der Landwirte aus Taveta, Kenia zu plündern. Die Landwirte forderten Schadensersatz vom kenianischen Wildlife-Service für die ausgefallene Ernte. Für die Bauern von Taveta, westlich des Tsavo-West-Nationalparks, der jährlich 100.000 Safari-Touristen anlockt, ist der Park ein Dorn im Auge. Die Wildhüter dort sind nämlich nur für die Tiere zuständig.
Die Elefanten blieben nicht zufrieden, sie überschritten die Grenze zu Tansania, immer noch auf der Suche nach Eßbarem. Nachdem diese marodierenden Elefanten auch dort anliegende Farmen niedergetrampelt hatten, wurden sechs von ihnen von tansanischen Wildhütern erschossen. Dies bot den hungrigen Bauern im Grenzgebiet einen Festschmaus. Die Elefanten wurden waidmännisch ausgenommen und das Fleisch unter den Familien verteilt. Darauf klagten die einheimischen Metzger darüber, dass aufgrund des Überangebotes ihr Rind- und Ziegenfleisch nicht mehr gut verkauft werde. Ohne Elektrizität und folglich ohne Kühlmöglichkeit verdarb das Fleisch rasch.
Herd des Problems ist ein angeblicher Babyboom der Elefanten in Nordtansania. Von 1993 bis 1999 hat sich die Zahl der Elefanten dort auf 420 fast verdoppelt. Schuld haben soll die Kampagne gegen Elfenbein in Europa, verbesserter Schutz vor Wilderern und gute Regenzeiten. Die angrenzenden Bauern sind verzweifelt. Hunger droht, das Handwerk mit Elfenbein ist zum Erliegen gekommen und der Einzelhandel bricht zusammen, weil die Bevölkerung immer ärmer wird. Nun sind Demonstrationen gegen Tierschutz, gegen Greenpeace und gegen Elefanten geplant. Die Dorfleute drohen, die Elefanten eigenhändig zu erlegen.
Ein Leser protestierte zwei Wochen nach diesen Bericht heftig gegen die eventuelle Tötung der Elefanten, schließlich seien sie das Erbe der Menschheit und deswegen viel wichtiger als die paar Bauern. Das Jagdverbot soll bestehen bleiben.