4.9 Rache ist süß

Die Linken in Deutschland sind meist gebildete, seriöse, ehrliche Leute. Sie solidarisieren sich mit Ausländern, kämpfen für Gerechtigkeit in der ganzen Welt, prangern Kapitalismus an, plädieren für mehr Entwicklungshilfe, gehen auf Afrika ein und schimpfen gern über konservative Politiker. So bekam der frühere Bundeskanzler Kohl oft sein fett weg.

Vor vier Jahren war ich noch Lehrer an der Bertha-von-Stuttner-Schule Gesamtschule in Nidderau, Hessen. Einmal nahm ich einige Kollegen aus der Schule, wo ich Fremdsprachen unterrichtete, mit auf eine Rundreise durch Ghana mit. Es stimmt schon, für den Pauschalurlauber ist Afrika anstrengend. Diesmal war es nicht anders. Zunächst war das Wetter zu Ostern ziemlich heiß. Und wenn dann die Züge nicht pünktlich fuhren, das Essen im Restaurant nicht schnell auf den Tisch kam oder das Taxi nicht geräumig genug für vier Leute war, gab es schnell höhnisches Gelächter und manchmal sogar richtigen Ärger.

„Kann man sich bei uns gar nicht vorstellen“, war der beliebteste Spruch meiner linken Freunde, sobald etwas nicht stimmte. Klar, dass ich diesen Spruch oft hörte und es bald nicht mehr ertragen konnte. Klar auch, dass ich mich fragte, wo der Unterschied zu den sogenannten konservativen Deutschen liegen sollte?

Alles in allem war die Reise ein Erfolg, wir hatten unsere fröhlichen Momente und am Tag der Abreise war alles eigentlich vergessen. Der Ghana Airways Flug ging nachts in Accra los und sollte über London nach Düsseldorf führen. Früh morgens gegen sieben Uhr waren wir heil in London angekommen, wo einige der Passagier aussteigen sollten. Nach zwei Stunden Aufenthalt würden wir weiter nach Deutschland fliegen. Der umsichtige Pilot setzte die Maschine zart und pünktlich ab und rollte ohne Hast zur vorgesehenen Haltestelle. Es gab das übliche Geschiebe und Gerangel nach Gepäckstücken, Tüten, und Taschen. Nach etwa fünf Minuten Wartezeit, wo die meisten Fluggäste aufgestanden und hinaus wollten, kam eine Durchsage. Die Herren und Damen Passagiere mögen sich ein wenig gedulden. Heathrow Airport hat momentan keine Gangway-Treppen mehr zur Verfügung! Ein Flugzeug sollte in kürze starten, danach würden wir eine Ausstiegsmöglichkeit bekommen. Ich dachte, ich höre nicht richtig, aber die anderen hatten es auch gehört. Obwohl wir noch nicht in Deutschland waren, war manchen meiner linken Freunde diese Episode bereits etwas peinlich. Zu groß nämlich hatten sie Europas Überlegenheit gegenüber Ghana heraus posaunt, der Nimbus war doch schon angekratzt. Meine Augen tanzten, ich wagte ein „Na, was sagt ihr jetzt“, worauf eine Lehrerin bemerkte, dass dies angesichts des Flugzeugaufkommens ab und zu doch passieren könne. Ach ja! Ich schwieg und lächelte verschmitzt, was die Sache nicht besser machte. Nach fünfzehn Minute konnte Heathrow endlich die Passagiere aus dem GA-Flug 704 aus ihrem Gefängnis befreien. Dann ging der Flug nach Düsseldorf ohne weitere Vorkommnisse erneut von Statten. Natürlich hatte Düsseldorf-Airport genügend Treppen zur Verfügung, wir stiegen aus und wurden durch die Instanzen geschleust, bis zur Gepäckabgabe. Normal geht alles schnell an deutschen Flughäfen. Wir versammelten uns, wie immer rund um die Gepäckausgabe und warteten auf das Signal, das nicht kommen wollte. Nach zehn stille Minuten deutete nichts auf unser Gepäck hin. Dann kam eine Durchsage. „Verehrte Fahrgäste, wegen eines defekten Förderbandes wird heute das Gepäck ausnahmsweise per LKW an Tür Nummer 16 ausgeliefert. Wir bitten um ihr Verständnis“.

Ich guckte erneut in die versammelte Runde und sagte nichts. Mein Freund Wolfgang, der mich gut kannte und genau wusste, was ich dachte, sagte nur, „Du blöder Hund, Du“.

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