- Der Autor
- 1. Präludium
- 2. Adagio
- 3. Andante
- 4. Con fuoco
- 5. Crescendo
- 5.1 Gott ist unsterblich
- 5.2 Meine pakistanische Dolmetscherin
- 5.3 Beerdigung in Coburg
- 5.4 Der Wettergott von Büdesheim
- 5.5 Die Hundeverordnung
- 5.6 Schiffbaukunst im Restaurant
- 5.7 Die Dönerverkäufer und die Rechtsradikalen
- 5.8 Man kann zweimal sterben
- 5.9 Die Hausa Übersetzung
- 5.10 Die Toten Hosen machen doch Lärm
- 6. Overtüre
Halbwahrheiten
5.7 Die Dönerverkäufer und die Rechtsradikalen
Mein Freund Achim ist ein Bodenständiger Kerl, der aus der Wetterau kommt, da wo Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais gut wachsen. Wenn er anfängt zu erzählen, pflegt er oft so anzufangen. „Ja, es gibt Sachen, die gibt es gar nicht“.
Beim Briefe schreiben erinnerte sich Nkosi aus Südafrika an diesen Spruch und an eine Geschichte, die er neulich in unserem Nidda Echos gelesen hatte. Es war eine Geschichte über Rechtsradikale in einem Städtchen in Brandenburg. Die Ostdeutschen haben zu erkennen gegeben, dass sie keine Ausländer mögen. In einigen Gebieten dort dürfen sich Ausländer nicht öffentlich blicken lassen, wenn sie Attacken vermeiden wollen. In der Stadt Würzen, zum Beispiel, haben Rechtsradikale das Sagen. Dort haben die Bürger mittlerweile akzeptiert, sei es aus Angst oder Zustimmung, dass Ausländer Freiwild sind. Die Polizei hat aufgehört, diese Gruppe in Schach zu halten und sieht sich nicht im Stande, Ausländer zu beschützen. Die jungen, kahl rasierten Kerle schrecken nämlich vor nichts zurück. Trotzdem leben Ausländer nicht nur in Brandenburg, sondern sogar in Würzen. Es sind genau zwei Türken und sechs Portugiesen. Diese sechs portugiesischen Bauarbeiter schotten sich nach Feierabend ab, trinken und essen zu Hause, machen keine Disco Besuche und lassen die Dorfmädchen in Ruhe. Also werden sie weitestgehend auch in Ruhe gelassen. Dann sind da noch die zwei Türken. Sie können nicht zu hause bleiben, weil sie Döner auf der Hauptstraße verkaufen. Komischerweise machen sie einen reißendes Absatz damit und denken gar nicht daran, von hier weg zu ziehen. Nirgends sonst würden sie soviel Kohle machen. Eigentlich ist es gar keine Gefahr für die Türken, da sie im Ort ziemlich beliebt sind. Alle dort essen gern Döner. Vor allem die Rechtsradikalen finden die „Scheißdinger“ einfach herrlich. Vor diesen Buden pflegen sie täglich ihr Bier zu trinken, mit den Türken Smalltalk zu pflegen und auf Raufmöglichkeiten zu warten. Nur alle Halbjahr drehen einige von ihnen durch und zerstören auch die Dönerbuden „ihrer“ türkischen Freunde. Es sind dann die härtesten Zeiten des Jahres im Ort, wenn die Glatzen dann leider keinen Döner und keinen Versammlungspunkt mehr haben. Manchmal helfen einige sogar mit dem Wiederaufbau, damit alles schneller geht.
Neulich sagte einer der Türken, er würde seinen Bruder auch einladen, hier noch eine Bude zu eröffnen. Er meint, die Kerle wären im Kern eigentlich in Ordnung. Die Reparaturen sind sowieso im Dönerpreis drin, die Geschäfte gehen gut. Er entwickelt gerade einen neuen Plan für eine Bude, die nicht mehr so leicht zu zerstören sein wird. Sagt er. Wenn ich damit fertig bin, werden sie erst mit Panzern anrücken müssen. Die Freunde auf der anderen Seite sind gewarnt und planen jetzt fieberhaft nach dem besten Weg, so eine Bude zu knacken.