6.5 Harlem zum Zweiten

Am nächsten Morgen eröffnete ich: „Ich habe eine Schnapsidee, die ich in die Tat umsetzen möchte. Ich möchte unbedingt nach Harlem“. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Zunächst guckte meine kleine Frau ungläubig zu mir hoch. „Du scherzt“, sagte sie.

„Nein, ich meine es ernst. Und ihr sollt doch alle mit“.

„Du kannst allein fahren, sagte meine Frau zu mir. Und wenn du schon unbedingt sterben willst, dann geh allein und lass die Kinder bitte hier, sagte sie süffisant.

Ich ging zu meinem Freund Tate und fragte, ob er mit mir nach Harlem gehen würde. Er verneinte. Seine Frau wollte nicht und hatte mit der Scheidung gedroht, falls er sich anders entschied. Ich stand allein da, total verunsichert. Sollte ich gehen oder sollte ich bei Frau und Kindern bleiben. Chinatown war okay, obwohl ich kein Chinese bin. Little Italy war ebenso in Ordnung. Da hatten wir sogar zu Mittag gegessen. Warum sollte Harlem für mich zu einer Todesfalle werden, obwohl es die Stadt der Schwarzen war, meine Stadt sozusagen. Ich entschied mich, zu gehen. Ich hatte Angst im Untergrundbahn, also nahm ich den Bus. Man sieht mehr, er fährt langsamer und am hellen Tag könnte wenig passieren, dachte ich. Ein Bus kam. Ich stieg ein und wollte eine Fahrkarte lösen. Der Fahrer lehnte ab. Er nimmt kein Geld für die Reise an, sondern nur Chips, die an U-Bahnhöfen zu erwerben sind. Ich stieg wieder aus, besorgte mir die verlangten Chips, stieg in den nächsten Bus und war unterwegs nach Harlem. Ehrlich gesagt, mit dem Herzen in der Knie Gegend, aber doch entschlossen. Es ist eine lange Fahrt, die erst hinter Central Park interessant wurde. Kurz dahinter fängt nämlich Harlem an. Es war keineswegs ein Ghetto. Schöne Häuser säumten den Weg, wir fuhren immer tiefer rein in die Stadt ein. Ich war noch nie in Peking gewesen, aber dort gab es angeblich eine verbotene Stadt. Ich hatte das Gefühl, nun in eine vergleichbare verbotene Stadt zu fahren. Ich erwartete jeden Moment eine Explosion, eine Attacke oder Ähnliches aber nichts passierte. Wir bogen in die Frederick Douglas Boulevard ein . Martin Luther King Boulevard, verkündete ein Straßenschild. Wir müssen im Zentrum sein, ich stieg aus. auf dieser langen Straße war alles mit Flaggen geschmückt, gut gekleidete Menschen schlenderten umher, auf den Straßen gab es Musik und Tanz, weißhäutige New Yorker unterhielten sich mit schwarzen Freunden. Dies war Harlem? Mein Gott. Jemand hat uns reingelegt. Daheim ruiniere ich fast meine Ehe, und hier amüsieren sich die Leute, stellte ich verwundert fest.

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