- Der Autor
- 1. Präludium
- 2. Adagio
- 3. Andante
- 4. Con fuoco
- 5. Crescendo
- 6. Overtüre
- 6.1 Einmsichung
- 6.2 Die Meerkatze
- 6.3 Im Pott kocht’s
- 6.4 Harlem, New York
- 6.5 Harlem zum Zweiten
- 6.6 Frau Schneider und die Pornos
- 6.7 Der Terrorist von Wölfersheim
- 6.8 Gerald Asamoah - Unser Bruder aus der Urzeit
- 6.9 Dienst ist Dienst
- 6.10 Weibliche Moskitos und der Weltkomplott
- 6.11 Sorgfalt und Makellosigkeit
Halbwahrheiten
6.9 Dienst ist Dienst
Es heißt so oft, die Deutschen verstehen keinen Spaß. Für mich persönlich stimmt diese allgemeine Ansicht nicht. Und ich habe meine guten Gründen.
Im Vergleich zu Afrikanern sind Europäer sehr nüchterne, praktische Menschen. Besonders die Deutschen. Was ich am meisten bei ihnen bewundere, ist ihre Fähigkeit, Dienst nie mit Vergnügen zu verwechseln. Sie wollen immer Klarheit und alles sauber und sicher haben. Deswegen sind Versicherungen und Anwälte die am meisten in Anspruch genommene Gruppen in Deutschland. Es gibt Gesetze für jede Lebenslage. Das Gesetz zum Schutz der Jugend finde ich am interessantesten. Danach ist es nicht zulässig, Alkohol, Zigaretten, Sexfilme und Pornos an Jugendlichen unter 16 Jahren zu verkaufen. Deswegen war es für mich auch keine Überraschung, als ich hörte, dass es tatsächlich einen Bundesbeauftragten für den Schutz der Jugend gibt. Nur, überall rauchen und trinken die 12 und 16 jährigen Mädchen und Buben, weit und breit keine Polizei. Wie die Heranwachsenden nun an den Stoff kommen war mir schleierhaft, da die Polizei recht effizient ist und über alles Bescheid weißt.
Ihre Aufgabe ist, darüber zu entscheiden, ob Pornos hart oder weich sind, für Kinder, Jugendliche, oder Jedermann geeignet sind oder nur für Erwachsene. Diese sind hochbezahlte Beamte, alles Männer, die Tag ein Tag aus nichts anderes tun haben als ununterbrochen harte Pornos zu gucken, um ihre Tauglichkeit für die Allgemeinheit zu testen.
Neulich um halb zehn zerrte ein Spaßvogel des Fernsehsenders RTL einen dieser Herren, die sonst in schummrigen Räumen ihren Dienst tun, an die Öffentlichkeit. Es handelte sich um einen typischen, ehrwürdigen deutschen Beamten um die Fünfzig. Korrekt bis zum Erbrechen, ja sogar einen Mittelscheitel hatte er, er hätte jedem erdenklichen Klischee entsprochen. Er sollte seine Arbeit beleuchten und musste Frage und Antwort stehen. Ganz sachlich und trocken beschrieb er seine Arbeit, die er im Dienste der Menschheit verrichtete. Er klang völlig überzeugend und war sicher, dass er dadurch viel Unheil von der Jugend abwendete. Nach einer halben Stunde kam die letzte Frage, die er bitte sehr kurz, präzise und ehrlich beantworten sollte.
Nun. Bevor ich weiter erzähle, möchte ich hier darauf hinweisen, dass in Deutschland die Pressefreiheit herrscht. Den gemeinsten Typen, denen man begegnen kann, sind unter anderen Journalisten. Sie sind unverschämt, stellen peinliche Fragen, untersuchen Sachen, die sie nichts angehen und stürzen sogar Regierungen. Und obwohl Sex in allen Formen und überall zu finden ist, ist es immer wieder ein interessantes Thema. Undenkbar in Afrika.
Also kam die letzte Frage.
„Haben Sie im Laufe ihrer langen Dienstjahre jemals bei der Arbeit einen sozusagen dienstlichen Ständer bekommen? fragte der junge Journalist, ohne mit dem Wimper zu zucken. Im Fernsehen! Ich war mächtig interessiert.
Darauf hin der Beamte, auch ohne mit der Wimper zu zucken.
„Nein. Mein Job ist es Filme zu gucken und keinen Spaß zu haben.“ Da diese Arbeit wahrlich nicht mit Jux verwechselt werden sollte, ist Spaß hier fehl am Platz“.
„Ehrlich?“
„Ehrlich. Und außerdem wäre das ja auch gegen die Bestimmungen!“
Da soll einer sagen, die Deutschen verstünden keinen Spaß!