- Der Autor
- 1. Präludium
- 2. Adagio
- 3. Andante
- 4. Con fuoco
- 5. Crescendo
- 6. Overtüre
- 6.1 Einmsichung
- 6.2 Die Meerkatze
- 6.3 Im Pott kocht’s
- 6.4 Harlem, New York
- 6.5 Harlem zum Zweiten
- 6.6 Frau Schneider und die Pornos
- 6.7 Der Terrorist von Wölfersheim
- 6.8 Gerald Asamoah - Unser Bruder aus der Urzeit
- 6.9 Dienst ist Dienst
- 6.10 Weibliche Moskitos und der Weltkomplott
- 6.11 Sorgfalt und Makellosigkeit
Halbwahrheiten
6.10 Weibliche Moskitos und der Weltkomplott
Meine Frau ist ein echtes Frankfurter Mädchen und wahrlich eine Kämpfernatur.
Mann kann sie nicht unbedingt eine Emanze nennen, aber sie war immer entschlossen, alle Domäne in denen Männer herrschen, kaputt zu machen.
„Früher, als die Menschen in Höhlen lebten“ sagte sie, „gab es keine Männerherrschaft. Also werde ich niemals die so-genannten Triumphe und Errungenschaften von Männern akzeptieren.“
Sie pflegte zu sagen: „man musste aufpassen, dass man den vielen Lügen der Männerwelt nicht zum Opfer fiel. Zum Beispiel gehörte sie zu den Frauen, die es ganz ärgerlich fanden, dass Schlechtwetterfronten Frauennamen trugen. Jedes Mal rief sie unseren Fernsehsender an, um zu protestieren, wenn dies vorkam.
Neulich brach ihre Welt zusammen. Es war während einer Reiseplanung unseres Sohnes. Mit einigen Mitgliedern seiner Abiturklasse wollte er eine Rundreise durch Ghana, meine alte Heimat, machen. Wer bereits mit einem Deutschen nach Afrika gereist ist, weiß, dass solche Planungen und die begleitenden Diskussionen hoch wissenschaftlich sind. Man lässt Revue über sämtliche Krankheiten passieren. Man wägt ab, wo Prophylaxen oder eine Impfung angebracht ist und wo nicht. Da taucht eine Liste von aller möglichen Krankheiten auf: Malaria, Gelbfieber, Lassafieber, Cholera, Ebola, Typhus, Tollwut, Masern, Tuberkulose. Nachdem ich darauf hingewiesen hatte, dass Malaria die größte Gefahr darstellte, weil eben noch keine Impfung erfunden wurde. Da sah ich eine tolle Gelegenheit, meine Frau etwas zu ärgern.
„Bei Malaria, zum Beispiel, geht es eigentlich allein um das Verhalten vor Ort. Zunächst einmal muß man wissen, dass nicht alle Moskitos gefährlich sind. Nur die weiblichen Moskitos sind Träger von Malaria.“
Meine Frau fror zu einer Säule.
„Dies ist eine bodenlose Frechheit von dir, weißt du? Und eine Provokation. „Ach komm“, sagte ich. „Sei bitte nicht albern. Jedes Schulkind weiß das. Und wenn du dies nicht weißt, dann laß dich belehren, bevor es peinlich wird. Meinetwegen kannst du deine eigenen Kinder fragen.“
„Ja, Mama. Das stimmt. Wir haben es auch in der Schule so gelernt.“
„Echt?“
„Ja, wieso denn. Es kann doch nicht sein, dass schon wieder Frauen daran Schuld sein sollen. Ein Weltkomplott der Männer, konnte man sagen. Erst war es Eva im Garten Eden, und jetzt sind es schon wieder die Frauen.“
„Ja, zählst du weibliche Moskitos auch zu der Frauenrasse?“
„Mit dir rede ich bald nicht mehr, wenn du so weiter machst.“
„Ach, bin ich, armer Afrikaner, nun dran Schuld oder wie?“
Sofort musste ich in Deckung gehen. Meine Frau griff den nächsten Kochlöffel in ihrer Nähe und warf ihn in meine Richtung.
„Scheiß Kerle“, zischte sie, als sie die Wohnungstür hinter sich zu knallte.