7. Ananse der Trickreiche

Kwaku Ananse lebte eine lange Zeit friedlich, und glücklich in dunklen Ecken mit seiner Familie zusammen. Eines Tages guckte Okonnoro Ananse mehrmals ganz kritisch an. Ananse wusste nicht, was dies zu bedeuten hatte.

"Weißt du, Ananse", begann sie plötzlich: "Wieso bist ausgerechnet du immer so schlecht angezogen? Schau alle deine Freunde an, wenn sie ausgehen sind sie besser angezogen als du, schämst du dich nicht?"

Ananse war recht überrascht und wusste zunächst gar nicht, was er sagen sollte. Er überlegte und musste zugeben, daβ seine Frau recht hatte. Na ja, viel Geld hatte er nicht, um sich tolle Kleider kaufen zu können. Wenn er bloß einen farbigen Umhang hätte! Damit würde er sicherlich besser aussehen. Einen Umhang zu tragen war die große Mode in Tamso, und wer keinen hatte wurde nicht mehr angeguckt. Die einzige Möglichkeit war wohl, sich selbst einen Umhang zu nähen. Aber nähen konnte er nicht. Trotzdem wollte Ananse seine Frau doch bald überraschen.

Unweit von Ananses Dorf wohnte Bosompa, der Gepard. Er war der beste Kleidermacher im ganzen Land, und für seine gute Arbeit berühmt. Ananse hatte eine Idee. Er ging zunächst auf den Markt und kaufte sich einen schönen farbigen Stoff. Abends setzte er sich einen groβen Hut auf und klebte sich einen falschen Bart an. Sein Gesicht war nicht mehr zu erkennen. Gefragt, wo er hin wolle, gab er keine Antwort, sondern guckte ganz böse vor sich hin. Dann ging er fort, um den Geparden zu besuchen.

Da Ananse kein Geld hatte, ging er nicht direkt ins Haus des Geparden. Er wartete hinter einem Gebüsch unweit des Hauses, bis es richtig dunkel geworden war. Spät abends verlieβ der Gepard gewöhnlich das Haus, um Essen für seine Kinder zu holen. Sobald er gegangen war, klopfte Ananse an die Tür. Der jüngste Sohn des Geparden öffnete die Tür und steckte seinen Kopf heraus.

"Nein, mein Vater ist nicht da", sagte er ganz verängstigt.

"Das macht nichts", antwortete Ananse.

"Ich habe einen schönen Auftrag für ihn. Er soll mir beweisen, daβ er wirklich gut ist. Ich möchte, daβ er mir den schönsten Umhang im ganzen Land näht. Selbstverständlich wird er dafür auch gut bezahlt. Ich werde wiederkommen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist."

Aus einem bestimmten Grund sagte Ananse natürlich nicht, wie er hieβ und ging zufrieden nach Hause. Nach einigen Stunden kam Papa Gepard wieder nach Hause.

"Ein Mann war hier und hat dir Arbeit gebracht", sagte sein kleiner Sohn. "Hier ist sie."

"Sehr schön, aber wer war das?", fragte der Gepard. "Diesen Mann habe ich noch nie gesehen", antwortete der Sohn. "Er hatte einen groβen Hut auf, hatte einen Bart, einen dicken Bauch und nuschelte beim Sprechen. Seinen Namen hatte er auch nicht gesagt." Der Gepard wunderte sich sehr und versuchte irgendwie herauszufinden, wer es sein könnte, aber vergeblich. Er wird sich schon melden, dachte er und begann mit der Arbeit.

Der Gepard wollte wie gewohnt gute Arbeit leisten und gab sich viel Mühe. Woche für Woche saβ er da und nähte und nähte. Immer wenn er hinausging, um Essen zu besorgen, kam Ananse vorbei, um nach dem Mantel zu sehen. Der Gepard rätselte weiter, warum sein Kunde immer dann kam, wenn er gerade nicht zu Hause war. Endlich war es soweit. Der Mantel war fertig, und er war wirklich sehr schön. Der Gepard war sehr stolz darauf. Er würde viel Geld dafür bekommen.

Wieder kam Ananse, als der Gepard nicht da war.

"Ist es soweit?", fragte er den Sohn. "Ja, der Mantel ist fertig, aber ich darf ihn nicht herausgeben, bis mein Vater da ist", antwortete der Junge.

Daraufhin wurde Ananse richtig böse. Mit hochrotem Kopf schrie er:

"Junge, wenn du weiter leben willst, hole mir meinen Umhang so schnell wie möglich, sonst passiert etwas. Ich kann sehr unangenehm werden", drohte Ananse.

Es blieb dem Jungen nichts anderes übrig, als den Umhang zu holen und Ananse zu übergeben. Ananse zog den Umhang an und ging fröhlich fort, ohne zu bezahlen. Beim nächsten Ausflug zu den Verwandten würde Ananses Frau richtig stolz auf ihn sein. Er sah zweifellos blendend aus. Er war um zehn Jahre jünger geworden!

Als der Gepard wieder nach Hause kam und den Betrug erfuhr, war er auβer sich. Jetzt merkte er, daβ ihn jemand absichtlich hereingelegt hatte, aber wer? Er musste es unbedingt herausfinden.

Der Gepard organisierte nun ein groβes Fest. Alle Einwohner der nahen und fernen Umgebung wurden eingeladen. Die einzige Bedingung war, daβ jeder für den großen Abend einen Umhang tragen sollte. Ananse war ebenfalls eingeladen. Um nicht den Verdacht auf sich zu lenken, konnte er nicht nein sagen. Er musste sich nur etwas einfallen lassen. Der Tag kam, und alle Tiere und Menschen folgten der Einladung. Der Gepard legte sich hinter ein Gebüsch unweit seines Hauses und lauerte auf denjenigen, der seinen unbezahlten Umhang trug.

Clever wie Ananse war, ging er auch nicht direkt ins Haus des Geparden. Schön angezogen saβ er auf einem kleinen Hügel, von wo er alle anderen beobachten konnte. Sie waren wirklich alle sehr schön angezogen. Der Letzte, der an diesem Abend hereinkam war der Schimpanse. Er war nicht so reich wie die anderen Tiere und hatte aus diesem Grund auch nur einen alten Mantel an.

"Guten Abend, Freund Schimpanse", grüβte Ananse. "Wie ich sehe, willst du auch zu der Party des Geparden. Aber du hast ja gar keinen schönen Mantel. So kannst Du doch gar nicht hin. Wenn du trotzdem Lust hast, kann ich dir meinen Mantel ausleihen. Ich habe soeben fürchterliche Kopfschmerzen bekommen und muss wieder nach Hause gehen."

Der Schimpanse war froh, den schönen Mantel von Ananse zu bekommen. Ganz apart legte er ihn sich um seine Schultern und ging stolz wieder zur Party. Auf dem gleichen Weg lauerte jedoch der Gepard. Kaum war der Schimpanse in seiner Nähe, da machte der Gepard einen riesigen Satz auf ihn zu. Wenn der Schimpanse nicht so schnell gewesen wäre, wäre er geschnappt worden. Der Gepard verfolgte ihn und schrie:

"Wenn du leben willst, gib mir den Mantel zurück, du Dieb."

Der Schimpanse warf schnell den Mantel weg, hüpfte flink zur Seite und kletterte so schnell wie möglich auf den nächsten Baum. Der Gepard hatte also den Mantel wieder. Ananse war natürlich nicht nach Hause gegangen, sondern hatte die ganze Szene beobachtet. Er kam aus dem Gebüsch heraus und fragte den Gepard, was los sei.

"Da ist dieser Affe, der meinte, er wäre klüger als alle anderen. Er lieβ mich für ihn arbeiten, ohne zu bezahlen. Jetzt habe ich den Mantel wieder. Übrigens, Ananse, wie ich sehe, hast du auch keinen Mantel. Nimm diesen hier als ein Geschenk von mir, weil du so ehrlich und gut bist."

Es war genau das, was Ananse geplant hatte. Er nahm den Mantel ganz lässig entgegen, warf ihn elegant über die Schulter und ging in das Haus des Geparden, um sich zu amüsieren.

Alle bewunderten ihn und machten ihm wunderschöne Komplimente. Am allerschönsten war das Kompliment des Adlers, der meinte, Ananse würde aussehen wie ein richtiger König.

Zum ersten mal in Ananses Leben war ihm ein Vorhaben geglückt und er freute sich wahnsinnig. "Ab jetzt wird das Schicksal mit mir gnädiger umgehen. Die Zukunft wird einfach besser sein als bisher. Das Beste in meinem Leben liegt eindeutig vor mir", dachte er.

König! Oh ja, das Wort allein war wie Musik in seinen Ohren. Warum eigentlich nicht König? Sein Leben wäre viel schöner, viel einfacher. Ananse malte sich selbst ein Bild als König vor und es gefiel ihm. Aber wer wollte schon Ananse zum König machen. Von nun an aber machte sich Ananse so seine Gedanken. Insgeheim hatte er einen Plan, den er unbedingt in die Tat umsetzen wollte, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen wäre. Er erzählte natürlich niemandem etwas von diesen geheimen Plänen. Die Aussicht, irgendwann mal als König von Tamso zu herrschen, mit einer Krone auf dem Kopf und dem Zepter in der Hand machte ihm glücklich. Immer wieder lächelte er vor sich hin. Die guten Zeiten würden bestimmt kommen.

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