- Über den Autor
- 1. Die Familie Ananse
- 2. Ananse und das Wissen
- 3. Ananse der Vogel
- 4. Ananse der Verwandlungskünstler
- 5. Ananse der Verräter
- 6. Ananse und das Zaubermesser
- 7. Ananse der Trickreiche
- 8. Ananse der Angeber
- 9. Ananse der Schurke
- 10. Ananse der Kahlkopf
- 11. Ananse und Ntakuma
- 12. Die Schöpfungsgeschichte
- 13. Der listige Hase
- 14. Der gierige Leopard
- 15. Die Prinzentochter
- 16. Der undankbare Jäger
- 17. Freundschaft ist wichtig
Die Eskapaden von Ananse und andere Geschichten
Unterhaltung
12. Die Schöpfungsgeschichte
Als die Welt geschaffen wurde, da gab es keine Trennung zwischen Himmel und Erde. Himmel, Erde, Wasser, Wolken, alles war eins. Gott, den wir Onyame nennen, was glänzend, strahlend hell bedeutet, bewohnte eine kleine Wolke in unmittelbarer Nähe bei den Menschen auf der Erde; so nah, daβ die Wolke fast die Erde berührte. Gott konnte alles sehen und hören, was auf der Welt passierte, denn er ist der Einzige, der das Ende kennt. Und immer wenn Kinder nicht gehorsam waren, öffnete Gott seine Wolke und rief mit tiefer Stimme:
"Du, Du, Du! Hör', was Dir die Eltern sagen!"
Dann war das Kind wieder brav. So ging das Leben weiter, und alle Menschen waren glücklich, weil Gott sie beschützte, ihnen alles gab und denen half, die sich nicht selber helfen konnten. Fast alles. Das Einzige, was die Menschen auf der Erde nicht machen durften, war, zerstampftes Essen zu kochen. Dies würde Onyame sehr stören. Erstens würde der lange Stiel zum Stampfen dauernd Gott berühren, zweitens wäre der Lärm unerträglich. Dauernd pum, pum, pum. Ein grässlicher Gedanke.
Eines Tages jedoch wollte Okonnoro, Ananses Frau, unbedingt Fufu essen. Ein Essen, dass gestampft werden muss. Seit sie geboren wurde, hatte sie noch nie Fufu gegessen. Sie hatte gehört, daβ so ein Essen unheimlich gut schmecken würde. Ihre Lust darauf war so groβ, daβ sie nichts mehr tun konnte, ohne daran zu denken. Sie wusste aber, daβ es nicht einfach sein würde, Fufu zu kochen. Erst brauchte sie die nötigen Utensilien dazu. Einen Mörser und einen Stampfer, um die Kochbananen und den Maniok für den Fufu-Kloß zu zerstampfen. Aber leider wusste sie auch, dass sich Gott nicht nur durch das Stampfen gestört fühlen würde. Da war noch das Problem mit dem langen Stiel des Stampfers, der ihn vielleicht beim auf und nieder berühren würde. Diese Situation war sehr heikel für alle Beteiligten. Ein kleiner Fehler und Gott könnte richtig zornig werden. Es mußte also gut überlegt werden.
Eines Tages sprach Okonnoro mit ihren Söhnen Ntakuma und Kwaku Tene über ihre groβe Lust auf Fufu. Als die beiden den Wunsch ihrer Mutter zu Ohren bekamen, freuten sie sich insgeheim. Jetzt wussten sie ganz genau, wie sie Gott zwingen konnten, sich aus der Welt zurückzuziehen. Lange genug waren sie ungehorsam, und wollten nicht, daβ Gott immer etwas davon erfuhr und sie ausschalt. Wie sie es genau machen wollten, verrieten sie niemandem. Die beiden Söhne versicherten sofort, "Mama, wir werden dir helfen."
Also gingen Ntakuma und Kwaku Tene in den Wald und besorgten sich Baumstämme, aus denen sie heimlich einen Mörser und einen Stampfer schnitzten. Nach zwei Wochen waren sie fertig. Jetzt mussten sie nur noch auf eine gute Gelegenheit warten. Genau auf einen Tag, wo ihr Vater nicht zu Hause sein würde.
An einem Dienstag, Ruhetag in Tamso, als Ananse Palmwein trinken ging, sagten Kwaku Tene und Ntakuma,
"Mama, du wolltest doch Fufu essen. Heute ist der Papa nicht da. Eine gute Gelegenheit, um dein Fufu zu essen. Wir haben alles für dich besorgt, damit du dein Fufu zerstampfen kannst."
Sobald Okonnoro den Namen Fufu hörte, bekam sie eine so groβe Lust, daβ sie nicht mehr warten konnte. Sie ging sofort auf den Markt, kaufte sich Kochbananen, Maniok, zartes Antilopenfleisch, Pfeffer, Zwiebeln, Auberginen und etliche Gewürze. Mit diesen Zutaten wollte Okonnoro sich endlich ihren Lebenstraum von einem schmackhaften Fufu erfüllen.
Zunächst kochte Okonnoro eine wunderbare Erdnusssuppe. Es duftete durch das ganze Dorf. Alle anderen Bewohner fragten sich: "Was duftet hier so gut?" Aber niemand wusste, was es tatsächlich war. Dann fingen Okonnoro, Ntakuma und Kwaku Tene an, den Maniok und die Kochbananen zu zerstampfen. Pum, pum, pum. Pum, pum, pum. Rauf und runter ging der Stiel, ein höllischer Lärm wurde gemacht.
Gott wollte gerade seinen Mittagsschlaf halten, als er vom stumpfen Stiel eines Fufu-Stampfers unsanft berührt wurde. Nanu! Ihm war es zunächst nicht klar was los war. An Fufu dachte er überhaupt nicht. Um seine Ruhe zu haben, zog er seine Wolke ein klein wenig nach oben zurück. Okonnoro, Ntakuma und Kwaku Tene stampften aber weiter und dachten, es würde schon nichts passieren. Pum, pum, pum ging es weiter. Gott wurde weiterhin mit Stiel-Stößen ununterbrochen traktiert. Also zog er sich noch ein wenig weiter zurück. Aber es half nichts, weil ihm der Lärm genauso störte. Jetzt wurde er richtig wütend.
"Ihr ungehorsamen Jungs. Habe ich nicht gesagt, niemand solle gestampftes Essen kochen?"
Aus Verärgerung zog er sich erneut weiter zurück. Mit der Zeit wurde der Lärm so unerträglich, daβ Gott sich entschied, sich weit, unendlich weit zurückzuziehen, damit er den Lärm nicht mehr hören musste. Gott war nun außer Reichweite. Wegen des Ungehorsams der beiden Jungen war er sehr veärgert über die Menschen, die seine Wünsche nicht respektiert hatten. Er beschloss, sie zu bestrafen. Zur Strafe trennte er das Wasser, die Wolken und den Himmel von der Erde. An manchen Stellen gab es zu wenig Wasser, an anderen zu viel. Die einen Teile der Erde hatten keine Wolken, andere zuviel. Manche Erdteile waren sogar vom Wasser umzingelt. Alles war durcheinander und die Menschen lebten von einander entfernt.
Nun mussten die Menschen ohne Gott auskommen. Jeder machte nun was er wollte. Die Kinder hörten nicht mehr auf ihre Eltern. Auch Okonnoro konnte ihren Kindern Kwaku Tene und Ntakuma nichts mehr sagen. Stattdessen schlug sie sie immer. Und wenn die beiden geschlagen wurden, weinten sie laut und jammervoll. Unglück kam über das ganze Dorf und alle bereuten, daβ Okonnoro jemals Fufu gegessen hatte.
Kwaku Ananse war hilflos. Er bat Onyame, zur Erde zurückzukehren. Aber Gott wollte nur kommen, wenn alle wieder folgsam sein würden. Auch Opfergaben konnten ihn bis heute nicht umstimmen und die Menschen auf Erden redeten und träumten von den guten alten Zeiten als alles schön und friedlich war und Onyame mit seiner Weisheit alle menschlichen Probleme löste.
Die Moral der Geschichte?
Wer nicht hören will, muss leiden!